Velofahren gibt Ausdauer

Zwei Motionen im Grossen Rat fordern vom Regierungsrat Massnahmen zur Erhöhung der Sicherheit und der Attraktivität des Veloverkehrs. Die Regierung will davon leider nicht allzu viel wissen und versteckt sich hinter fadenscheinigen Argumenten.

Mitte Februar hat der Regierungsrat zu zwei parlamentarischen Vorstössen zur Stärkung des Veloverkehrs Stellung genommen. Der Grosse Rat wird während der Märzsession darüber befinden.

Der ehemalige Präsident von Pro Velo Bern, David Stampfli (SP), fordert Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Velofahrenden in Strassenkreiseln. Bruno Vanoni, Natalie Imboden und Andrea de Meuron (Grüne) beantragen ein umfassendes Förderprogramm zur Verbesserung von Attraktivität und Sicherheit des Veloverkehrs. Dabei sollen Verbesserungen bei der Infrastruktur (Schliessung Netzlücken, Schaffung Velobahnen) und kommunikative Massnahmen realisiert werden.

Vorbild Kanton Zürich

Die Forderung nach einer systematischen Stärkung des Veloverkehrs stützt sich auf Erfahrungen aus dem Kanton Zürich. Dort läuft seit 2010 ein umfassendes Veloförderprogramm. Programmatisch heisst es dazu: «Veloförderung ist ein dynamischer Prozess. Unerlässlich sind eine klare Strategie, messbare Ziele sowie die notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen.»

Das Zürcher Veloförderprogramm geht auf einen Gegenvorschlag zur kantonalen Veloinitiative von Pro Velo Kanton Zürich zurück. Der Kantonsrat beschloss 2010 auf Antrag der damaligen Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer einen Kredit von 20 Mio. Franken für das Programm. In der Debatte wies der SVP-Kommissionspräsident zwar darauf hin, dass Zürich bereits ein gut ausgebautes Radwegnetz habe. «Dieses wird aber längst nicht entsprechend seiner Kapazität genutzt. Hier setzt nun das Veloförderprogramm an. Es soll auch etwas für eine bessere Bekanntmachung und Benützung der Radwege getan werden.»

Lustloser Berner Regierungsrat

Für ein solch umfassendes Verständnis von Veloförderung zeigt der Berner Regierungsrat kein Verständnis. In seinen Antworten beschränkt er sich auf die Feststellung, dass infrastrukturelle Verbesserungen für den Veloverkehr bei Instandhaltungsarbeiten bereits heute erfolgten. Für weitergehende Massnahmen fehlten Grundlagen und finanzielle Mittel. Diese Argumentation ist enttäuschend und falsch. Gerade aus einer Gesamtverkehrsperspektive sollte Bern alles Interesse an einer Erhöhung des Veloverkehrsanteils haben; denn das Velo ist das mit Abstand günstigste Verkehrsmittel.

Liegt es auch an persönlichen Präferenzen? In Zürich wurde das Förderprogramm von der begeisterten Velofahrerin Rita Fuhrer lanciert, nachdem sie von einem beim Velofahren erlittenen Rippenbruch genesen war. Die Berner Verkehrsdirektorin hingegen ist nicht wirklich als Velofahrerin bekannt… Pro Velo bleibt dran und wird – nötigenfalls in der neuen Legislatur – alles daran setzen, dass auch der Kanton Bern zu einem sinnvollen Veloförderprogramm kommt.

Regula Tschanz, Präsidentin Pro Velo Kanton Bern

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